Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Seite einer mittelalterlichen Handschrift mit rotem Hintergrund und goldener, verzierter V-Initiale

Handschriften

Die Universitätsbibliothek verfügt über einen großen Handschriftenbestand, der vom Mittelalter bis in die Moderne reicht und europäische ebenso wie orientalische Manuskripte umfasst. 

Europäische Handschriften

Mittelalter

Die SUB Göttingen besitzt über 420 Handschriften aus dem Mittelalter. Die Sammlung ist sowohl geographisch, sprachlich als auch inhaltlich vielfältig. Den größten Teil bilden lateinische Handschriften aus dem mitteleuropäischen Raum, doch finden sich auch zahlreiche Stücke in deutschen Dialekten sowie in englischer, französischer und griechischer Sprache. Stark vertreten sind besonders theologische und juristische Werke sowie Texte der Antikenrezeption.

Zu den herausragenden mittelalterlichen Handschriften zählt das Fuldaer Sakramentar aus dem 10. Jahrhundert. Mit über 500 teils vergoldeten Initialen und mehr als 30 Miniaturen gilt es als eines der schönsten Beispiele frühmittelalterlicher Buchkunst. Ebenso bewahrt die SUB Göttingen die beiden ältesten Exemplare des Bellifortis, die einst König Ruprecht von der Pfalz und König Wenzel von Böhmen gewidmet waren. Die reich illustrierten Codices geben einen umfassenden Einblick in das spätmittelalterliche Kriegswesen und dokumentieren zugleich bedeutende technische und kulturelle Innovationen.

(Frühe) Neuzeit

Die Sammlung frühneuzeitlicher und moderner Handschriften umfasst mehr als 7.000 Stücke. In der Anfangszeit der Bibliothek lag ein besonderer Schwerpunkt auf den Rechtswissenschaften. Zahlreiche Handschriften- und Aktensendungen, vor allem juristischen Inhalts, stammen von Gerlach Adolph von Münchhausen, dem erstem Kurator der Universität. Umfangreiche Neuzugänge kamen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert hinzu, darunter 1772 die Sammlung Gottfried Achenwalls, 1796 die gesammelten Briefe aus dem Besitz Theodor Strobels sowie 1804 der Briefwechsel von Johann David Michaelis.

Häufig wurden auch Handschriften zur deutschen Geschichte des 16. bis 18. Jahrhunderts erworben, insbesondere zur niedersächsischen und hannoverschen Landesgeschichte sowie zur protestantischen Kirchengeschichte. Die SUB Göttingen verfolgt bis heute das Ziel, ihre Bestände zur Geschichte der Universität kontinuierlich zu erweitern, beispielsweise durch den Erwerb von Vorlesungsmitschriften, wissenschaftlichen Manuskripten und Stammbüchern.

Die Bibliothek verfügt außerdem über einen kleinen Bestand von Musikhandschriften. Die meisten Stücke gehören zu einer Sammlung von Werken evangelischer Kirchenmusiker aus dem späten 17. bis 19. Jahrhundert. Sie wurde der Bibliothek 1928 von der Evangelischen Kirchengemeinde Bösenrode als ständiges Depositum überlassen.

Orientalische Handschriften

Die Bezeichnung „orientalische Handschriften“ wird an der SUB Göttingen seit dem 19. Jahrhundert als Sammelbegriff für Manuskripte verwendet, die in asiatischen oder afrikanischen Sprachen verfasst sind. Die Zuordnung zu einer bestimmten Sprachfamilie erfolgt nach der im Schriftstück vorherrschenden Sprache. Vielfach basiert sie auf dem Kenntnisstand des 19. Jahrhunderts, der nicht immer mit den Kategorien der modernen asiatischen und afrikanischen Sprachwissenschaft übereinstimmt. Die Sammlung gliedert sich in drei Bestandsgruppen:

  • islamische Handschriften mit arabischen, persischen und türkischen Schriftzeugnissen
  • südasiatische Handschriften
  • kleinere Handschriftengruppen und einzelne Stücke aus der MENA-Region und Südostasien

Islamische Handschriften

Die Ursprünge der Sammlung sind eng mit der Entwicklung der Orientalistik an der Universität in Göttingen verbunden. 1748 bot der Theologe und Orientalist Johann David Michaelis die erste Lehrveranstaltung zur Arabistik an. 1788 wurde unter seinem Schüler Johann Gottfried Eichhorn der erste Lehrstuhl für Orientalische Sprachen eingerichtet. Eichhorn sowie zahlreiche renommierte Arabisten, die in Göttingen lehrten – darunter Thomas Christian Tychsen, Heinrich August Ewald, Ferdinand Wüstenfeld, Paul de Lagarde, Mark Lidzbarski und Hans Heinrich Schaeder – trugen wesentlich zur Vergrößerung der „orientalischen“ Handschriftensammlung bei. Etwa 250 Orientalia gelangten durch die Schenkungen des russischen Arztes und Alumnus der Universität, Georg Thomas von Asch, nach Göttingen. Die Mehrzahl davon wurde vermutlich während der Kriege Russlands mit dem Osmanischen Reich erbeutet oder erworben.

Im 19. und 20. Jahrhundert wuchs die Sammlung islamischer Handschriften durch den Erwerb von Einzelstücken, kleineren Sammlungen sowie Schenkungen weiter an. Der letzte bedeutende Zugang in jüngerer Zeit war die Barudi-Sammlung, die 1995 mit Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung angekauft wurde. Dabei handelt es sich um die Bibliothek einer Damaszener Familie husainitischer Herkunft, die seit dem 18. Jahrhundert gepflegt wurde.

Südasiatische Handschriften

Die SUB Göttingen besitzt mehr als 1.000 Handschriften aus dem indischen Kulturkreis. Dabei handelt es sich überwiegend um Schriftzeugnisse in Sanskrit, die vom 12. bis ins 20. Jahrhundert datieren, mit einem besonderen Schwerpunkt auf dem Zeitraum ab dem 18. Jahrhundert. Inhaltlich prägen den Bestand Werke der vedischen und klassischen Literatur, Dichtung, Dharma (religiöses Gesetz und Ethik), Ritualtexte, (shivaitische) Philosophie, Grammatik sowie Astronomie und Astrologie.

Den größten Teil der frühen Sammlung verdankt die SUB Göttingen Franz Kielhorn, Professor für Indologie in Göttingen. Zwischen 1887 und 1892 überließ er der Bibliothek 83 Handschriften als Geschenk, nach seinem Tod erhielt sie weitere 90 Handschriften von seiner Witwe. In den frühen 1960er Jahren erwarb die Bibliothek vier bedeutende indische Privatsammlungen: Cod. Ms. Sanscr. Mu., Cod. Ms. Sanscr. Madh., Cod. Ms. Sanscr. Sham. und Cod. Ms. Sanscr. Vish.

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Handschriften können nach Bestellung im Lesesaal des Historischen Gebäudes eingesehen werden: Besuch im Lesesaal.

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