Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Farbiges Bild in Lila, Blau und Gelb, mit gelber Schrift hervorgehoben an bestimmten Stellen SUB Göttingen, Alexander Zawacki

Digitale Rekonstruktion und Materialanalytik

Das ARCANAlab setzt multispektrale Bildgebung und verwandte Technologien ein, um beschädigte oder schwer lesbare Texte digital sichtbar zu machen. Diese Expertise stellen wir in Form verschiedener Services für Forschung und universitäre Lehre zur Verfügung.

Das ARCANAlab (Advanced Recovery of Cultural Artefacts through Non-invasive Analysis) an der SUB Göttingen ist auf die Wiederherstellung beschädigter oder unleserlicher Texte spezialisiert. Unter der Leitung von Dr. Alexander Zawacki werden hier moderne Technologien wie Multispectral Imaging (MSI), Infrarot-Reflektografie (IRR) und Reflectance Transformation Imaging (RTI) eingesetzt, um die Herstellungsprozesse von Handschriften, Palimpsesten, Drucken und anderen Kulturgütern zu analysieren und ältere Textschichten digital zu rekonstruieren. Mittels MSI und Faseroptischer Reflexionsspektroskopie (FORS) können anhand der optischen Eigenschaften der verwendeten Tinten und Pigmente Rückschlüsse auf deren Zusammensetzung gezogen werden.

MSI ist eine nicht-invasive, zerstörungsfreie fotografische Methode, die eine umfangreiche Datensammlung spektraler Informationen über das untersuchte Objekt liefert. Dabei wird eine Serie von Auflicht-Aufnahmen unter verschiedenen, genau definierten Lichtwellenlängen gemacht – vom ultravioletten über den sichtbaren bis in den nahinfraroten Bereich. Zusätzlich kann eine durchlichtbasierte Lichtquelle (sichtbares und infrarotes Licht) von unten durch das Objekt projiziert werden. Auf diese Weise lassen sich sogar Texte rekonstruieren, die vollständig von einer Seite abgeschabt wurden. In Kombination mit computergestützten, statistischen Auswertungsverfahren ermöglicht MSI die Wiederherstellung unleserlicher beschädigter oder überschriebener Texte und erzeugt hochauflösende Aufnahmen dieser vormals verlorenen Informationen.

Die Reflectance Transformation Imaging (RTI) ermöglicht die hochauflösende Erfassung der Oberflächentopografie eines Objekts. Dabei wird das Objekt unter einer stationären Kamera positioniert und mehrfach aus unterschiedlichen Beleuchtungswinkeln fotografiert. Die so gewonnenen Bilddaten werden anschließend digital zu einem interaktiven Pseudo-3D-Modell zusammengesetzt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Digitalisierungsverfahren, die meist mit gleichmäßiger Beleuchtung arbeiten und dadurch die Oberflächenstruktur eher „glätten“, hebt die multiperspektivische Ausleuchtung beim RTI feine Details wie Pinselstriche, Prägungen, Falten oder sogar Haarfollikel deutlich hervor. Dieses Verfahren ist besonders hilfreich für die Wiederherstellung von schwer lesbaren Abdruckspuren auf Papier oder Pergament.

Unser Digitalmikroskop liefert hochauflösende Bilder, die bei der Bestimmung von Pergamentarten, der Untersuchung paläographischer Merkmale sowie bei Schadensanalysen in Kleinstbereichen unterstützen. Weiterhin können dreidimensionale topografischen Karten ausgewählter Untersuchungsbereiche sowie von Multifokusbildern zur Dokumentation von Merkmalen in unterschiedlichen Tiefenebenen erstellt werden.

Serviceangebot

Wir arbeiten mit Forschenden zusammen, die diese Technologien bei der Erforschung historischer Materialien nutzen, und sind an Forschungsprojekten der Göttinger Universität und darüber hinaus beteiligt. Wir fördern den Austausch von Expertise und die Weiterentwicklung in den Bereichen digitale Rekonstruktion und Materialanalytik. Dabei kooperieren wir mit Kultureinrichtungen auf nationaler und internationaler Ebene. Wenn Sie Ideen oder Interesse an gemeinsamen Projekten haben, kontaktieren Sie uns gern.

Auf Wunsch informieren wir im Rahmen von Lehrveranstaltungen über die Anwendung neuer Technologien wie MSI und RTI zur Analyse von Kulturgütern. Studierende, die Kompetenzen in diesen innovativen Analyseverfahren erwerben möchten, können am Institut für Digital Humanities Kurse und Schulungen bei Alexander Zawacki belegen. Alexander Zawacki vermittelt diese Inhalte ebenfalls im Rahmen der Spring School und Summer School in Digital Palaeography.

Bitte beachten Sie, dass unsere Serviceangebote von Ihrem Forschungsanliegen, dem Zustand der Materialien und der Verfügbarkeit der Geräte abhängen. Wir unterstützen vorrangig Mitglieder der Georg-August-Universität Göttingen. Anfragen von Forschenden und Studierenden externer Einrichtungen werden abhängig von unseren Kapazitäten entschieden. Planen Sie bitte ausreichend Vorlaufzeit ein: für die Nutzung der Geräte zwei bis vier Wochen im Voraus, für die Absprache von Lehrveranstaltungen mindestens vier Wochen.

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